Antaios-Rundbrief 30/2026

Mittwoch, 26. VIII.

Liebe Leser,

viel Oberfläche derzeit: Wahlkampf, Renegaten, Prozente, Programme für 100 Tage und fünf Jahre. Ich empfahl neulich schon die Pfade abseits der "Großen Heerstraße". Wir dürfen nie vergessen, wie tief das angelegt ist, was uns zum dem gemacht hat, das wir sind.

Deshalb empfehle ich heute drei Tiefgänge. Wer, außer uns, liebe Leser, denkt so und weiter?

Götz Kubitschek

Hauge: Fast kein Nazi? - 30 €

Der Philosoph Martin Heidegger ist "umstritten". Ich mag diese Vokabel sehr: Sie soll denunzieren, ist aber der Beleg dafür, daß man an jemandem einfach nicht vorbeikommt.

Natürlich lesen auch die Gegner Heideggers fasziniert Heidegger. Und natürlich wissen die Besserwisser oft nicht viel mehr, als daß Heidegger 1933 eine "berüchtigte" Rektoratsrede hielt und in seinen "Schwarzen Heften" Schäbiges festhielt.

Vielleicht muß ein Däne antreten und die Geschichte eines dänischen Hörers Heideggers erzählen - von außen also das engmaschige Netz aus Schülern, Kollegen, Mitarbeitern, Parteileuten, Themen, Vorsätzen und Abwendungen aufdröseln.

Fast kein Nazi?, das ist schön doppeldeutig: Fast nichts an Heidegger war so?, oder: nicht viel hat gefehlt, und er wäre keiner? Übersetzt aus dem Dänischen hat das Buch übrigens Jörg Seidel - selber fanatischer Heideggerleser. Mich selbst hat vor allem das Spätwerk stark inspiriert. Also: hier bestellen!

Wulfila von Gothien – 30 €

Die Frühgeschichte des Christentums ist orthodox. Die Germanen waren in Teilen weit früher christlich als gemeinhin behauptet - vor allem dort, wo sie auf die im byzantinischen Raum gefestigte Überlieferung stießen.

Der Ostgote Wulfila gilt als einer der Apostel der Germanen. Er übersetzte die Bibel ins Gotische und war maßgeblich daran beteiligt, den Glauben für sein Volk zu fassen.

Abt Johannes von Buchhagen hat mit seiner Studie über Wulfila eine Epoche aufgehellt, die nebulös ist - wie vieles, das in den entscheidenden Jahrhunderten vor Karl dem Großen liegt. Man lernt bei der Lektüre viel über das Denken, das Menschenbild, den mystischen Zugang der damaligen Zeit - Grundlagen, die in der orthodoxen Welt bis heute maßgeblich wirken.

Wulfila - persönliche Empfehlung - hier einsehen und bestellen!

Vonderach: Gab es Germanen? - 15 €

Das Nebulöse, von dem ich in der Beschreibung des Wulfila-Buchs schrieb, ist oft Ergebnis der Dekonstruktion von etwas, das es nicht geben soll.

So, wie es "das Deutsche" nur geben soll, wenn es um Schuldfragen geht, sollte es bereits die Germanen nicht geben. Die moderne Wissenschaft behauptet, daß dieser Name eine unstatthafte Pauschalbezeichnung sei für Stämme, die nicht zusammengehörten.

Dieser Lesart widerspricht der Anthropologe Andreas Vonderach vehement. Er geht auf Spurensuche und wird fündig - natürlich. Sein Buch erschien bei uns vor bald 10 Jahren. Viele Exemplare haben wir nicht mehr.

Gab es Germanen? - hier bestellen.

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